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Henning Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers (Buchkritik)

28.10.2002
Von unserer Redakteurin Katrin Ruß

Henning Mankell, vielen bekannt durch seine Wallander-Romane, hat einen neuen, noch bewegenderen Roman geschrieben. Es geht um einen jungen Polizeikommissar in Südschweden, Stefan Lindmann, 37 Jahre alt. An einem Tag erhält er zwei gleich zwei schlechte Nachrichten. Er hat Krebs und sein ehemaliger Kollege und Mentor, Herbert Molin, wird auf grausame Weise ermordet. Ein Mord, der einer Hinrichtung gleicht.

Vor seiner eigenen Angst auf der Flucht, begibt er sich hoch in die schwedischen Wälder, wo Molin sich nach seiner Pensionierung zurückgezogen hatte, um zu verstehen, was passiert ist. Er entdeckt, dass Molin nicht der Mann war, den er zu kennen glaubte. Molin war Nazi, kämpfte im 2. Weltkrieg an der Seite Hitlers und blieb bis in die Gegenwart seinen Überzeugungen treu.

Später findet Stefan Lindmann noch ein zweites, schlimm zugerichtetes Mordopfer, Molins einzigen Nachbarn. Auf den ersten Blick scheint klar, dass es sich um den gleichen Täter handeln muß. Doch was hat der Musiker mit Molins faschistischen Ansichten zu tun? Und welche Rolle spielt das geheime Netzwerk schwedischer Nationalsozialisten, das so viele scheinbar ehrbare Bürger verbindet und sogar in Lindmanns eigene Familie hineinreicht.

Mankells Roman ist geprägt von einer hohen erzählerischen Dichte. Er verwebt auf kunstvolle Weise das persönliche Schicksal der Hauptperson mit dem Zustand einer ganzen Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit der Krankheit Krebs in ihren unterschiedlichen Stadien, von Verleugnung und Flucht bis dahin, wo Lindmann sich ihr stellt, sie anerkennt und zu kämpfen beginnt, zeigt den Weg dafür auf, wie gesellschaftlich mit dem Krebsgeschwür rechter Ideologie umgegangen werden sollte.

Auch hier reichen die Wurzeln tief, die Behandlung muß drastisch sein und Metastasen müssen in frühem Stadium erkannt und vernichtet werden, damit der Ausgang nicht tödlich ist.

Ein politisches Buch, das tief in die deutsche, schwedische und jüdische Geschichte eindringt und auf unglaublich fesselnde und spannende Weise Geschichte lebendig werden lässt.

Unbedingt lesenswert.

Autor/in: Henning Mankell
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Umfang: 505 Seiten
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN: 978-355205205-5
Preis: 24,90 €
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