|
|
Selim Özdogan: Die Tochter des Schmieds (Buchkritik)15.02.2005
von unserer Redakteurin Silke Schröder
Die Türkei in den fünfziger Jahren. In einem kleinen Ort in Anatolien wächst Gül auf, zusammen mit zwei Geschwistern, ihrem Vater und der Stiefmutter. Gül ist ein ernsthaftes Mädchen, nicht aufmüpfig und ohne große Pläne. Anders jedenfalls als ihre Schwester Melike, die sich nichts sagen lässt, und Sibill, die schon früh nach Höherem strebt – wie es halt unter Geschwistern manchmal so ist. Nach dem frühen Tod der Mutter übernimmt Gül, die Älteste, die Verantwortung für die Familie. Ohne Abschluss verlässt sie die Schule und macht eine Ausbildung als Schneiderin. Mit 15 Jahren heiratet sie ihren Onkel, bekommt zwei Kinder und folgt Anfang der sechziger Jahre ihrem Mann nach Deutschland. Ein Leben, wie zig andere auch. Also kein Stoff für einen Roman? Aber doch! Selim Özdegan ist es auf wunderbar poetische Art und Weise gelungen, die Atmosphäre dieser Zeit einzufangen. Jenseits der Stereotypen von Islam und unterdrückten Frauen erfahren wir viel über die Türkei der fünfziger Jahre, über ein Land zwischen Moderne und Tradition und über Leben auf dem Dorf, das uns, Anatolien hin oder her, überraschend oft an die Erzählungen der eigenen Großeltern erinnert. Mit einfachen Worten richtet Özdegan den Blick auf das Spannende im Alltäglichen; er beschreibt, wie Menschen gelebt haben, wie sie miteinander umgegangen sind – und welche Wege es für Frauen damals gegeben hat. Sibill, die jüngste, wird Dorflehrerin, Melike studiert Fremdsprachen und Gül, die Älteste, kommt über die Grundschule nicht hinaus, heiratet früh und bekommt Kinder. Selim Özdegan, Jahrgang 1971, ist Deutscher türkischer Abstammung und lebt in Köln. Sein neuer Roman trägt sicherlich dazu bei, unsere Nachbarn aus dem Südosten Europas besser zu verstehen. Und ist zugleich ein Stück türkische Kulturgeschichte. Autor/in: Selim Özdogan
Verlag: Aufbau
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN: 978-335103039-1
Preis: 19,90 €
Das könnte Ihnen auch gefallen:
Hatice Akyün: Einmal Hans mit scharfer Soße (Kritik)Serdar Somuncu: Getrennte Rechnungen (Buchkritik) Elif Shafak. Der Bastard von Istanbul (Kritik) Leylâ Erbil: Eine seltsame Frau (Kritik) Fahimeh Fasaie: Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden (Kritik) Barbara Nadel: Tod am Bosporus (Rezension)
Weitere Tipps aus dieser Rubrik:
Jugend |
Regional |
Unterhaltung |
Reisen |
Gesundheit |
Haus & Garten
Impressum | Disclaimer | Kontakt Sitemap Jugend:
News | Wir über uns | Top Themen | Angesagt | Schule | Wissen | Sport | Brennpunkt | Entertainment | Top 5 Gelbe Seiten Sitemap Gesundheit:
Beauty | Neues aus der Welt der Gesundheit | Psychologie | Wellness | Was ist eigentlich...? | Ernährung | Bücher & Medien | Top 5 Gelbe Seiten Sitemap Haus & Garten:
Aktuelles | Bauen und Renovieren | Wohnen | Unter freiem Himmel | Kräuter-ABC | Maschinen und Handwerkzeug | Bücher & Medien | Veranstaltungen | Top 5 Gelbe Seiten © 2012 Themenguide.de - Musik, Bücher, Spiele
|