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Frank Goosen: liegen lernen (Kritik)Die Achtziger, die allererste Liebe und die Adoleszenz24.09.2002
Von unserem Redakteur Benjamin BetkaIn Frank Goosens Roman wird Helmut langsam erwachsen. Das hört sich nicht allzu spannend an, zumal sich Helmut als "drogenabstinenten, heterosexuellen Nichtdemonstrierer" bezeichnet. Das Buch beleuchtet sein Erwachsenwerden und -bleiben und vermeidet konsequent jede plüschige Nostalgie. Man hat es nicht leicht, wenn man Britta liebt, Kohl regiert, Twix noch Raider heißt und der Großonkel ein Nazi ist. Goosen schafft es zwar nicht, die Pop-Literatur neu zu erfinden, aber er kann ihr noch die eine oder andere Facette hinzufügen. "liegen lernen" ist sowohl derb als auch detailliert. Jedem Kapitel haftet eine ernsthafte Ehrlichkeit an, die die Person Helmuts zwar teilweise etwas farblos läßt, aber durchaus ihren eigenen Charme entwickelt. Den jähen Witz der ersten Kapitel kann Goosen nicht über das ganze Buch aufrecht erhalten, Helmuts Leben wird ja auch immer komplexer, da gibt's nicht mehr viel zu lachen. Nach kleineren Längen in der Mitte fängt sich "liegen lernen" am Ende wieder und schließt die Geschichte der Mannwerdung Helmuts treffend ab. Der Roman ist empfehlenswert für alle, die entweder die Achtziger, ihre Jugend oder (o graus!) ihre Jugend in den Achtzigern einigermaßen überlebt haben und die nun in der Lage sind, all das mit einem Augenzwinkern Revue passieren zu lassen.
Frank Goosen, geboren 1966 irgendwo im Ruhrpott, hat sich Ruhm und Ehre als eine Hälfte des Kabarett-Duos "Tresenlesen" erworben und geht seit Mitte 2000 allein auf Tournee. "Liegen lernen", sein erster Roman, war viele Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wird demnächst verfilmt.
Autor/in: Frank Goosen
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
Umfang: 336 Seiten
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