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Jan Costin Wagner: Schattentag (Buchkritik)

07.01.2006
Von unserer Redakteurin Nadine Jerke

Das Buch von Jan Costin Wagner ist alles andere als gewöhnlich. Der Protagonist des Buches „Schattentag“ ist auf mysteriöse Weise plötzlich erblindet. Im Krankenhaus trifft er seine Jugendliebe Mara wieder und setzt sich mit ihr ab auf eine Insel. Dort leben die beiden, scheinbar harmonisch und glücklich miteinander in Maras kleinem Holzhäuschen. Schnell ist das alte Leben als selbstständiger Softwareentwickler, in dem es Frau und Tochter gab, vergessen. Die Liebe zu Mara beflügelt den Blinden, gibt ihm Halt und Mut. Für eine ganze Weile kann sich nichts Negatives in diese Zweisamkeit einschleichen.

Als dann aber ein Feuerwerk auf der kleinen Insel stattfindet, stürzt ein Mann von den steilen Klippen und stirbt. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich im Laufe der Ermittlungen als Mord.
In der Brieftasche des Toten wird nichts außer einem Kinderfoto des blinden Protagonisten gefunden. Von diesem Moment an, beginnt die selbst geschaffene Idylle zu bröckeln. Nicht nur die Polizei vom Festland, sondern auch Mara beginnt, an der Unschuld ihres Freundes zu zweifeln...

Jan Costin Wagner führt seine Leser in die verzwickte Seelenwelt eines Mannes, der vom Schicksal gebeutelt, einfach neu anfangen wollte. In Zeitsprüngen erfährt der Leser ganz langsam immer mehr von dessen Vergangenheit. Der Spannungsaufbau und der ungewöhnliche Schreibstil des Autors, bewegen sich auf ein Ende zu, das nicht vorherzusehen ist.
Hier mischt sich die malerische Realität mit subtiler Fiktion so geschickt, dass es dem Leser zeitweise schwerfällt, das Eine vom Anderen zu unterscheiden. Obwohl das Buch weniger als zweihundert Seiten hat, ist es gehaltvoller als so mancher langatmiger Krimi.

Ausdrucksstark und völlig anders – unbedingt lesenswert!

Jan Costin Wagner wurde 1972 in Langen/Hessen bei Frankfurt geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Frankfurt. Für sein Debüt „Nachtfahrt“ erhielt Jan Costin Wagner den Marlowe-Preis 2002 für den besten Krimi.
Sein zweiter Roman „Eismond“ brachte den internationalen Durchbruch. 2004 wurde er mit dem Förderpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.
Autor/in: Jan Costin Wagner
Verlag: Eichborn Berlin
Umfang: gebunden, 185 Seiten
Erscheinungsjahr: August 2005
ISBN: 978-3-8218-0756-0
Preis: 17,90 €
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