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Leylâ Erbil: Eine seltsame Frau (Kritik)06.09.2005
von unserer Redakteurin Silke Schröder Im Mittelpunkt des Romans „Eine seltsame Frau“ steht Nermin, die aus ihrem bisherigen Leben von der jungen Studentin bis zu der vierzigjährigen, geschiedenen Frau, erzählt. Der Roman ist in vier sehr verschiedene Kapitel unterteilt. Sie setzen sich mit ihren beiden Eltern, mit ihrer Jugend und ihrem Älterwerden auseinander. Ihren Alltag als 19-jährige beschreibt sie in Tagebuchform: der Umgang mit ihren Freundinnen, ihre politischen Aktivitäten, der Austausch mit anderen Intellektuellen. Als 40-jährige setzt sie sich in Rückblenden noch einmal mit ihren Ehejahren und mit ihrem öffentlichen Leben als Politikerin auseinander. Der Roman von Leylâ Erbil, der schon 1971 in der Türkei erschien, erregte dort großes Aufsehen, weil die Autorin Themen aufgreift, ohne sich von Tabus beirren zu lassen. Sie geht auf das Frauenbild mit seiner ganzen Widersprüchlichkeit in der Türkei ein und sie setzt sich mit der linken Ideologie der 50er und 60er Jahre auseinander, die zu dieser Zeit unter den türkischen Intellektuellen sehr populär war. Ein spannender Blick in das südöstliche Nachbarland der EU, das ja vielleicht selbst bald dazu gehört. Wer Interesse an der Türkei, seinem Frauenbild und seinen gesellschaftlichen Auseinanderersetzungen hat, wird das Leben Nermins mit Spannung verfolgen. Erschienen ist „Die seltsame Frau“ in der Türkischen Bibliothek des Unionsverlags. In dieser Reihe werden Romane, Autobiografien, Kurzgeschichten, Gedichte und Essays türkischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen vorgestellt, die im deutschsprachigen Raum – trotz ihrer Bedeutung - bis jetzt noch unbekannt sind. Autor/in: Leyla Erbil
Verlag: Unionsverlag
Erscheinungsjahr: September 2005
ISBN: 978-329310001-5
Preis: 17,90 €
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