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Paul Auster: Die Brooklyn-Revue (Kritik)20.03.2006
von unserer RedakteurinSilke Schröder Nachdem bei Nathan Glass Lungenkrebs diagnostiziert wurde und seine Frau ihn verlassen hat, kehrt er in seinen Geburtsort Brooklyn zurück, um sich dort alleine auf das Sterben vorzubereiten. Doch es kommt alles anders: In einem Antiquariat trifft er seinen Neffen Tom Wood wieder, der einst ein aufgehender Stern am Literaturhimmel war, jetzt aber desillusioniert und etwas übergewichtig an der Kasse sitzt. Und dann taucht auch noch die neunjährige Lucy auf, die Tochter von Toms Schwester Aurora. So beginnt wider Erwarten ein neuer Lebensabschnitt für Nathan, der sich in seiner neuen Patchwork-Familie bald sehr wohl fühlt. Paul Austers jüngster Roman ist sein bislang optimistischstes Buch. Sein Held Nathan erlebt einen zweiten Frühling, nachdem er bereit ist, auf andere Menschen zuzugehen. Er gewinnt nicht nur eine neue Familie, sondern schließt auch Frieden mit seiner Tochter und befreit Lucys Mutter aus den Fängen einer christlichen Sekte. Das alles klingt ein bisschen kitschig, doch Austers Story spielt mitten im realen, heutigen Amerika - einem Land, in dem Präsidentschaftswahlen den Geruch der Manipulation tragen und eine neu erstarkte christliche Rechte nicht müde wird, alle untraditionellen – oder unkonventionellen – Lebensentwürfe zu verdammen. So erschafft Auster in seinem neuen Buch nicht nur die einfühlsame Geschichte eines modernen Lebens, sondern auch ein liebevolles Plädoyer für das liberale Amerika, dessen Ruf in der Weltöffentlichkeit zuletzt sehr gelitten hat. Lesenswert! Paul Auster wurde am 3. 2.1947 als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden in Newark, New Jersey geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971-74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in den USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Autor/in: Paul Auster
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Umfang: 352 Seiten
Erscheinungsjahr: März 2006
ISBN: 978-349800066-0
Preis: 19,90 €
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