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Mo Hayder: Tokio (Buchkritik)21.06.2005
von unserer RedakteurinSilke Schröder Die junge englische Studentin Grey, die lange Jahre in der Psychiatrie verbringen musste, beschäftigt sich in ihrem Studium intensiv mit den Kriegsverbrechen der Japaner im chinesischen Nanking in den 30er Jahren. Als sie in einer Fachzeitschrift liest, dass ein alter Professor im Besitz eines einzig artigen Films über diese Gräuel ist, macht sie sich sofort auf den Weg nach Tokio. Doch der Professor will ihr den Film nur dann zeigen, wenn sie hinter das Geheimnis des mächtigen und, wie es scheint, ewig lebenden Mafia-Bosses Fuyuki kommt. Beim Jobben als Hostess in einem Nachtclub sieht sie unerwartet ihre Chance: Sie lernt Fuyuki tatsächlich kennen und kommt ihm und seinen Helfern gefährlich nahe. Mo Hayders Roman „Tokio" ist unglaublich und mitreißend. Atmosphärisch sehr dicht geschrieben, führt uns die Story zu einem der fatalsten Irrtümer in der Geschichte der Medizin. Und nicht nur hierbei, sondern auch bei der Schilderung der wenig ruhmreichen Taten der Japaner im besetzten China braucht man manchmal starke Nerven. Ebenso interessant sind schließlich die Einblicke in die Welt der japanischen Hostessen - kein Wunder, hat doch die Autorin selbst einige Jahre in Tokio verbracht und dort gearbeitet. Der dramaturgische Trick, den aktuellen Handlungsfluss immer wieder durch Tagebucheintragungen des Professors aus Nanking zu unterbrechen, steigert dabei die Spannung ungemein. Und auch, wenn es anfangs nicht so scheint: Alle losen Enden der Geschichte führen am Ende zu einem ausgeklügelten Plot, der selbst Thriller-Kenner überraschen wird - obwohl oder gerade weil die Heldin etwas anders ist. Kaufen und weglesen! Autor/in: Mo Hayder
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: Juni 2005
ISBN: 978-344231018-0
Preis: 19,90 €
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